Wolfgang Kil Architekturkritiker und Publizist

Foto: Renate und Roger Rössing: „Hutmodenschau, Leipzig 1949“


Mondlandschaften, Baugrundstücke

Es gibt so viele Sichten auf die Stadt nach dem Krieg

„Die Bombenangriffe des letzten Krieges haben mächtige Lücken in den Organismus der Stadt gerissen. Weite, säuberlich aufgeräumte Flächen dehnen sich zwischen der stehengebliebenen, als Ruine erhaltenen oder wiederaufgebauten Bebauung. ... Aber man stellt einen überraschenden Eindruck fest. Der ‚Steinhaufen‘, durch den einst endlose, nur noch in den Namenschildern vermerkte Straßenschluchten führten, hat Luft und Raum bekommen. Die einzelnen Bauten wirken mit ungeahnter Plastik. Sollte es nicht möglich sein, einer Stadt, die wieder aufgebaut wird, diese Größe und Räumlichkeit, diese Tiefe und Weite des darüber geöffneten Himmels zu erhalten?“

Solch kühle Faszination, wie der Basler Architekt Hans Schmidt sie als Eindruck vom zerstörten Berlin im Jahr 1955 notierte, konnten wohl nur Reißbrettvisionäre empfinden. Allen übrigen Zeitgenossen, den Überlebenden der Bombennächte und mörderischen Straßenkämpfe, dürfte der Abschied von der alten, nun in Trümmer liegenden Welt eher schwer gefallen sein. Aber Trauer um Unwiederbringliches, die unsere heutigen, zunehmend restaurativen Stadtdebatten so hartnäckig dominiert, durfte damals als emotionaler Luxus gelten. Denn auf das Inferno folgte der Ausnahmezustand, unbefristet. Es ging um die blanke Existenz, um Essen, Heizen, Dach überm Kopf. Um das Zusammenfinden zerstreuter Familien, die Suche nach einem Lebensunterhalt. Strom-, Wasser- und Telefonleitungen mussten repariert, öffentliche Verkehrsmittel wieder in Gang gesetzt, unvorstellbare Trümmergebirge abgeräumt, Schulen wiedereröffnet werden. Der „Totale Krieg“, dessen Ausrufung im Februar 1943 ein fanatisiertes Sportpalast-Publikum mit lautem Jubel quittiert hatte, war auf seine Urheber zurückgefallen und hatte ihre Städte weithin unbewohnbar gemacht. Die nackte Barbarei der letzten Kriegshandlungen setzte sich fort in den jeder Zivilisation hohnsprechenden Zuständen der Wochen und Monate „danach“.

Zusammenbruch? Befreiung? Die Auskünfte, die einer Nachwelt aus jenen Tagen überliefert werden, sind zwiespältig. Ende August 1945 sieht der 1938 aus Berlin nach USA emigrierte Henry Ries am Kurfürstendamm einigermaßen konsterniert „alte Damen mit ihren komischen Hüten vor riesigen Schwarzmarktkuchen mit Schlagsahne“.[1] Schon Anfang Juni (!) hatte der sowjetische Kulturoffizier Markus Wolf seinen in Moskau verbliebenen Eltern über ein Wochenende in Friedrichsfelde berichtet, wo man hätte „glauben können, es wäre niemals Krieg gewesen. Sportfeste, an allen Ecken Lokale, Kabaretts, Varietés mit bunten Programmen und Tanz. [...] Die Bevölkerung Berlins hat, so komisch das auch klingen mag, überhaupt nicht begriffen, daß Deutschland ein besiegtes Land ist.“[2] Zu den beklemmendsten Fotoserien der amerikanischen Frontfotografin Lee Miller gehören jene, die deutsche Alltagsgesichter als „Täter-Porträts“ vorführen, und ihre Kollegin Margaret Bourke-White stand immer wieder fassungslos vor lauter „kleinlichen, feigen, selbstmitleidigen Menschen, die wohlgenährt darauf warteten, versorgt zu werden ... [die] keine Probleme mit ihrer Vergangenheit, sondern Angst vor einer ‚entsagungsvollen Zukunft’“[3] hatten. Schon der Untertitel ihres berühmten Reportagebuches über das Jahr 1945 verhöhnt mit seiner Anspielung auf eine martialische deutsche Liedzeile diese wohlfeile Pose der Unbetroffenheit – Lieb Vaterland, magst ruhig sein.[4]

Als hätte eine unabgesprochene Konvention unter ihnen geherrscht, richteten deutsche Fotografen dagegen ihre Kameras sofort und mit geradezu süchtiger Intensität auf jedes noch so kleine Indiz für Normalität und Zuversicht. Erfolgreiche Heimkehr von der Hamsterfahrt, stolze Ernte auf dem Grabeland, die Minikrimis vom Schwarzen Markt, der erste Ami-Straßenkreuzer – in den Bildern von Fritz Eschen[5], Gerhard Gronefeld[6] oder Erich O. Krueger[7] (um nur drei Berliner Fotografen zu nennen) menschelt es unverdrossen. Die Ruinenwüste Berlins verblasst da oft beiläufig zum diffusen Hintergrund. Radrennen und andere Sportdarbietungen wurden aufgeboten, den (Über-)Lebensmut nicht sinken zu lassen, genau wie der gute alte Wanderzirkus oder das auf wundersame Weise intakt gebliebene Kinderkarussell im Park. Und immer wieder das kleine große Glück, das Kinder ausgerechnet zwischen Ruinen finden. Geradezu groteske Blüten trieb „Normalität“ bei Renate und Roger Rössing[8], wenn sie Leipziger Hausfrauen als Models einer öffentlichen Hutmodenschau (1949) beobachteten oder die verzweifelt aufgedonnerte „Preisträgerin einer Rassehundeausstellung“ (1948) für sich posieren ließen.

Stellt man derart makabre Szenen jenen anderen Bildern gegenüber, die oft nur hundert Meter weiter zur gleichen Zeit zu finden waren – etwa den Leichenbergen, vor denen Dresdner Fotografen in den erst nach Monaten geöffneten Bombenkellern standen, oder den Invaliden und zerlumpten Kriegsheimkehrern, die Deutschlands Bahnhöfe noch bis in die Fünfzigerjahre hinein bevölkerten – dann beginnt sich ein anderer Ausnahmezustand ins Bewusstsein zu drängen: der mentale. Wer hatte denn, unter solcherart geschilderten Umständen, überhaupt eine Chance, bei Verstand zu bleiben? Und war es angesichts allgegenwärtiger Not nicht geradezu geboten, auf Zuversicht und Sinngebung, auf „positives Sehen“ also, zu setzen? Der Dresdner Fotograf Erich Höhne beschrieb sein damaliges Schaffensmotiv ausdrücklich als „Chronistenpflicht und Mobilisierung für den Neuaufbau zugleich“. Noch Jahrzehnte später bekannte er sich zu der Absicht, „jeden Funken Hoffnung zu schüren“.[9] Weil es einen Unterschied macht, ob man ein Leben mit Ruinen darstellt oder deren Beseitigung. Wenn es hierfür in den Trümmerwüsten seiner Heimatstadt an realen Anlässen fehlte, wurden diese eben inszeniert – eine Praxis, die Pressefotografen allerorten (bis heute) als selbstverständliches Handwerk gilt. Und die ganz wesentlich zu jener Skepsis beigetragen hat, mit der man Fotografien als historischen Auskünften heutzutage lieber misstraut.

***

Vom Zustand der zerbombten und zerschossenen Städte, so sollte man denken, müssten die Zeugnisse verlässlicher sein. Doch auch hier lassen sich divergierende Bildinteressen erkennen, die Ausdruck unterschiedlicher Betroffenheiten sind. Die Spanne reicht von Zehntausenden emotionsloser, allein strategischer Auswertung dienender Luftbilder der alliierten Kampfverbände über die berüchtigten Aufnahmen von Lübeck oder Frankfurt, mit denen die NS-Propaganda zu Beginn des Bombenkrieges im Frühjahr 1942 die „kulturfeindliche Barbarei der Angreifer“ anprangerte, bis zu Friedrich Seidenstückers seltsam berührenden Blicken auf den von Artillerie und danach Holzsammlern buchstäblich kahlgefegten Tiergarten, die einen völligen Stillstand nach dem Inferno suggerieren und so – womöglich – auf eine Wende der Geschichte hoffen lassen. Dazwischen fallen etliche (nur selten überzeugende) Variationen einer speziellen Ruinenästhetik ins Auge, Erblast überkommener fotografischer Traditionen, die – mal mehr romantisch, mal eher surreal veranlagt – Zuflucht in der Kunst suchte, „um die individuelle Angst zu bannen“.[10]

„Bremen war eine Wüste.“ Im Auftrag der US-Airforce hat Margaret Bourke-White Luftbilder von Köln, Würzburg, Ludwigshafen, Leuna u.a. fotografiert: „Von Hamburg blieb nicht einmal genug übrig, um eine eindrucksvolle Ruine abzugeben.“[11] Der Titel der geplanten Reportage stand schon fest: The Face of the Moon.

Von den zahllosen Ruinenpanoramen, die in vielen Museen die „Stunde Null“ illustrieren sollen, haben nur wenige über ihren jeweiligen Ort hinaus Eingang ins Bildgedächtnis gefunden. Zur regelrechten Antikriegs-Ikone hat es wohl nur ein Motiv gebracht – jener Blick vom Dresdner Rathausturm, den Richard Peter sen. unter Einbeziehung einer steinernen Figur zu einer Geste stilisierte, die sowohl als Klage (über Leid und Tod der Opfer) wie auch als Anklage (gegen die Strategen des „sinnlosen“ Bombenkrieges) lesbar ist. Trefflicher als in solcher Ambivalenz konnte verbreitetes deutsches Selbstempfinden sich öffentlich wohl nicht artikulieren. Zumindest aus heutiger Sicht sollte dieses Driften ins „universell Menschliche“ allerdings eher verstören, werden doch NS-Herrschaft und Krieg, anstatt aus politischer Perspektive, hier eher als schicksalhafte Heimsuchung gedeutet.[12]

Sieben Jahre nach Richard Peter sen. sind noch einmal Fotografen auf jenen Rathausturm gestiegen, um ihre Stadt in weitem Rundblick abzulichten. Diesmal war nichts als ein Labyrinth gleißender Asphaltstreifen zu sehen, die ziellos ein Steppenland durchschneiden: Ganze drei Häuser waren nach der Enttrümmerung zwischen Altmarkt und Hauptbahnhof übrig geblieben, und ein einsames Denkmal! Schwer zu entscheiden, welches der beiden Dresden-Panoramen heutige Betrachter mehr zu erschüttern vermag. Für die Entstehungszeit der Fotos lässt sich dies jedoch klar sagen, denn beide sind von ihren Autoren selbst mit Titeln versehen worden: Unter der Trümmer-Ikone von Peter sen. steht Ein Stein klagt an. Sein Bild von der atemverschlagenden Leere rings um die Prager Straße hat Willy Pritsche, ebenfalls ein alteingesessener Dresdner, Baufreiheit genannt.[13]

Man kann jenes zuletzt beschriebene, 1952 entstandene Foto durchaus als eine Art Gründungsdokument ansehen: Baufreiheit – das klang wie ein Fanal, und es bedeutete, dass sie nun endlich beginnen konnte, die „Neue Zeit“. Nicht nur für Dresden. Während draußen Trümmerfrauen emsig Steine klopften, waren in den Planungsämtern der zerstörten Städte heftige Meinungskämpfe entbrannt. Die Frage, wie mit den Folgen der Bombardements umzugehen sei, spaltete nicht nur die deutsche, sondern die internationale Architektenschaft. Selbst die CIAM, jene illustre Weltversammlung von Vordenkern des „Neuen Bauens“, hatte 1947 auf ihrem Kongress in Bridgwater hierzu keinen Konsens erzielen können. Den unfasslichen Verlusten abendländischer Kultur nachtrauernd, rang die Fraktion der Traditionalisten um die Restitution zerstörter Kulturdenkmale (z.B. beim Goethehaus in Frankfurt/M) oder wenigstens die stilisierte Wiedergewinnung verlorener Stadtbilder (z.B. in München, Münster oder Freudenstadt). Dagegen konnten Verfechter der Moderne angesichts der endlosen Trümmerfelder eine gewisse Genugtuung kaum verbergen: „Die Bombenangriffe haben die sozial ungesündesten Wohnverhältnisse der Großstädte, die Mietskasernenquartiere und verbauten und verwohnten Altstädte getroffen. Daraus ergibt sich eine einmalige Chance für die Wohnreform, für eine Liquidierung des unseligen Erbes des 19. Jahrhunderts…“[14] Immer wieder finden sich in den Texten jener Jahre Formulierungen von provokanter Offenherzigkeit: „Die mechanische Auflockerung [sic!] durch Bombenkrieg und Endkampf gibt uns jetzt die Möglichkeit einer großzügigen, organischen und funktionellen Erneuerung.“[15] Diese makabre Beschreibung der Kriegsfolgen stammt nicht von einem zynischen Technokraten, sondern von Hans Scharoun, einem der einflussreichsten deutschen Baumeister, der von 1945 bis 1946 als Stadtbaurat den Wiederaufbau Berlins als aufgelockerte „Stadtlandschaft“ einzuleiten versuchte. In der Vierteljahresschrift „Baukunst und Werkform“, dem wichtigsten Diskussionsforum jener frühen Jahre, suchten Architekten wie Otto Bartning, Hugo Häring, Rudolf Schwarz, Hans Schwippert oder Egon Eiermann „nach einer neuen Menschlichkeit“, um „dem angemessenen Leben ein angemessenes Gehäuse“ zu gestalten.[16] Als angemessen galt vor allem ein Wohnen mit viel „Licht, Luft, Sonne“, und nun hatten die Kriegszerstörungen Handlungsbedarf und Planungsräume von solchen Ausmaßen eröffnet, dass mit dem sozialstaatlich gelenkten Massenwohnungsbau sich ein neues Kapitel der Stadtentwicklung andeutete: Sogar im Westdeutschland der restaurativen Adenauer-Jahre schien eine Debatte über den gesellschaftlichen Zugriff auf Bauflächen nötig. „Parlamentarier aller deutschen Länder, vereinigt Euch“, forderte ein Transparent auf der Constructa 1951 in Hannover, „Schafft neues Bau- und Bodenrecht!“ Doch hatten solch „sozialistische“ Träumereien, wie man weiß, im Wirtschaftswunderland keine wirkliche Chance.[17]

Auch in der Sowjetischen Besatzungszone träumten Planer von einer besseren Zukunft, die fachlichen Auseinandersetzungen in Dresden oder Rostock unterschieden sich von denen in Mainz oder Würzburg kaum. Doch nachdem die SED auf ihrem III. Parteitag 1950 den Aufbau der ostdeutschen Städte – und darunter die Gestaltung Berlins zur gesamtdeutschen Hauptstadt – zur politischen Großaufgabe erklärt und dafür das staatliche Verfügungsrecht über den Boden gesetzlich geregelt hatte, entschied sie auch den Richtungsstreit zwischen Tradition und Moderne politisch, d.h. per Direktive: Nach sowjetischem Vorbild wurden „16 Grundsätze des Städtebaus“ erlassen, die der DDR-Architektur – bis weit in die Fünfzigerjahre hinein – ein neoklassizistisches Gepräge bescherten. Die altertümelnde Dekorkunst der sog. „Nationalen Traditionen“ sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in städtebaulicher Hinsicht jenes Regelwerk durchaus nach zeitgemäß erneuerten Strukturen suchte. Folgerichtig war, statt von Wiederaufbau, fortan nur noch von Neuaufbau die Rede. Und entsprechend freizügig wurden bei Bedarf altvertraute Straßen, Plätze, Silhouetten überplant, hier und da bis zur Unkenntlichkeit.

***

Was nun unserem unbekannten Panorama-Fotografen bei seiner aufwändigen Arbeit von all dem durch den Kopf gegangen sein mag, lässt sich nicht einmal ahnen. Hatte er womöglich Scharouns legendäre Ausstellung „Berlin plant“ im September 1946 in der Schlossruine besucht? Vielleicht waren ihm in der Zeitung hin und wieder Artikel aufgefallen wie „Über den Baustil, den politischen Stil und den Genossen Henselmann“.[18] Bestimmt sehnte er sich nach einem baldigen Ende des allgemeinen Ruinenchaos. Und ganz sicher hatte er Auftraggeber, die im Einklang mit den aktuellsten Direktiven ihn an Brennpunkte des aktuellen oder künftigen Baugeschehens dirigierten.

Aber vielleicht sollte man einfach seinen Blicken folgen.

Das Zentrum seiner städtischen Raumabwicklungen bildet häufig etwas, das weg ist (bzw. was demnächst weg kommt). Es sind weniger die Reste des alten urbanen Gefüges, die interessieren, als vielmehr das Maß von dessen Aufkündigung: die übergroßen Löcher darin. Achtloser wurden die kläglichen Überreste von Hitlers Neuer Reichskanzlei nie an einen Bildrand gedrängt, als hier, wo sich in der alten Berliner City zwischen Leipziger Straße und Anhalter Bahnhof plötzlich völlig neue Raumstrukturen auftaten. Lauter Bauplätze, an denen man die Stadt schrittweise anders definieren konnte! Womöglich von Grund auf umdefinieren, wie im Falle des Hohenzollernschlosses, dessen Ruine beim Aufnahmetermin schon geschleift war und nun hastig durch jene improvisierte Tribüne ersetzt wurde, die diesen zentralsten aller Orte Berlins dann 22 Jahre lang verunzierte.

Auch beim Pariser Platz scheint es weniger um den Verlust der historischen Flanken des Brandenburger Tores zu gehen, vielmehr suggeriert die fotografische Sicht eine überraschende Öffnung der friederizianischen Stadt nach Westen, zum Tiergarten hinaus, dessen unfassliche Weite eine der seltsamsten Metaphern jener Jahre, das Diktum des Malers Werner Heldt von Berlin am Meer, plötzlich plausibel, ja nachfühlbar macht. Lässt diese, von Regierungsbauten und aller Bewaldung befreite Tabula rasa nicht an die etwa zeitgleich fotografierte Baufreiheit in Dresden denken? Am deutlichsten manifestiert sich jene eingangs zitierte kühle Planerfaszination aber wohl an dem ins Surreale kippenden Rundblick über die Kniprodestraße in Prenzlauer Berg: Ein solch spektakulärer Prospekt, wie er sich da zwischen Bunkerberg und Bötzow-Viertel verlockend öffnet, kennt keinen anderen Sinn, es sei denn, als Tableau für einen radikalen Neubeginn. Hier gab es keine pittoreske Altstadt, kein Denkmal irgendwelchen Ranges zu betrauern. Hier war er einfach offen, der Himmel über Berlin, und das Bauland, so hieß es, sollte nun allen gehören. Das Gebot der Stunde lautete „Aufbau!“ und die Parole wieder mal: BERLIN - SCHÖNER DENN JE!


Veröffentlicht in: Berlinische Galerie (Hrsg.): „So weit kein Auge reicht“; Katalog zur gleichnamigen Ausstellung; Köln (Dumont) 2008 , S. 116 ff.


Anmerkungen:
1. Zit. nach Janos Frecot: „Photo by Ries”. Biographische Notizen zur Arbeit eines Bildreporters. In: Henry Ries: Photographien aus Berlin, Deutschland und Europa 1946-1951. Katalog der Berlinischen Galerie 1988. S.13
2. Markus Wolf: „Briefe“, abgedruckt in Sonntag, Berlin 1985, Nr. 18, S. 5
3. Karin Wieland: Die Patriotin. Margaret Bourke-White 1904-1971. In: Klaus Honnef, Ursula Breymayer: Elend und Anfang. Photographen in Deutschland um 1945. Katalog des DHM Berlin 1995
4. Margaret Bourke-White: Deutschland April 1945. Dear Fatherland Rest Quietly. Dt. Ausgabe München 1979
5. Fritz Eschen (1900-1964), Berliner Fotograf, siehe u.a. F. Eschen: Photographien Berlin 1945-1950. Berlin 1989 (Katalog der Berlinischen Galerie)
6. Gerhard Gronefeld (1911-2000), Fotograf in Berlin, später München. Unter seinen zahlreichen Büchern vgl. hier besonders: G. Gronefeld. „Kinder nach dem Krieg“, Berlin 1985
7. Erich O. Krueger (1895-1956), siehe in W. Kil (Hrsg.): „Hinterlassenschaft und Neubeginn. Fotografien von Dresden, Leipzig und Berlin in den Jahren nach 1945“; Leipzig 1989, S. 90-105
8. Renate Rössing (1929-2005) und Roger Rössing (1929-2006), Leipziger Fotografen, siehe R. u. R. Rössing: Menschen in der Stadt. Fotografien 1946-1989; Leipzig 2006.
9. Interview mit dem Autor, zit. bei Kil, a.a.O., S. 23
10. Klaus Honnef: Schuss und Gegenschuss in der Photographie des Krieges über Deutschland. In: Honnef, Breymayer, a.a.O., S. 13 ff
11. Unterschriften zu Luftbildern stark zerstörter Städte in Bourke-White, a.a.O.
12. Vgl. Honnef, ebenda
13. Siehe u.a. in „Von Dresden nach Dresden. Bilder des Fotografen Willy Pritsche“. Dresden 1991, S. 88/89
14. Ludwig Neundörfer: Inventur des Zusammenbruchs. Zit. nach: Ulrich Conrads (Hrsg.): Die Städte himmeloffen. Reden und Reflexionen über den Wiederaufbau des Untergegangenen und die Wiederkehr des Neuen Bauens 1948/49. [Bauwelt Fundamente 125] Basel 2002, S. 26
15. Hans Scharoun, zit. ebenda S. 37
16. Alfons Leitl, zit. ebenda S. 12
17. „Die Erklärung zum Aufbaugebiet bewirkt, dass in diesem Gebiet eine Inanspruchnahme von bebauten und unbebauten Grundstücken für den Aufbau und eine damit verbundene … Entziehung des Eigentums und anderer Rechte erfolgen kann. Die Entschädigung erfolgt nach den zu erlassenden Bestimmungen.“ Aufbaugesetz der DDR vom 14. September 1950
18. Titel einer Polemik von Chefredakteur Rudolf Herrnstadt im Neuen Deutschland vom 29. Juli 1951, die zum offiziellen Kurswechsel der DDR-Architektur maßgeblich beitrug.